"...und es hat Boom gemacht!"

Eva Nadine Wunderlich ist bewusst mit ihrem Mann Axel Wunderlich und ihren Töchtern Karla, Anna und Mona ins Grüne gezogen. Als starke Wirtschaftsregion lockt Südwestfalen mit interessanten Job-Angeboten. Doch auf der Suche nach einem guten Lebensumfeld zählt nicht nur der Job ... Frau Wunderlich hat mit ihrem Ehemann Axel 2016 entschieden, mit ihren drei Kindern nach vielen Jahren in der Großstadt nach Südwestfalen zu ziehen. Im Interview erzählt sie, was sie dazu bewegt hat.

Frau Wunderlich, sind Sie ein Land-Ei?
Ich bin auf dem Weg zurück dahin.

Überrascht Sie das?
Ja! Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich mal wieder dauerhaft ins Siegerland zurückkomme, wo ich bis zum Abitur aufgewachsen bin.

Wo ging es denn damals hin?
Vom idyllischen Land mitten ins pralle Ruhrgebiet. Dann kam eines nach dem anderen: Ich habe meinen Mann Axel kennengelernt, der damals als Tischlermeister im öffentlichen Dienst gearbeitet hat, ich habe mich als freie Texterin selbstständig gemacht und wir haben eine Familie gegründet.

Klingt nach einer guten Lebensphase. Was ist dann passiert?
Nun ja, mit jedem weiteren Kind wuchs die Feststellung, dass das Leben mit Kindern in der Stadt nicht unbedingt das Günstigste ist. Und, auch, wenn wir damals im grünen Essener Süden gewohnt haben, Verkehrslärm & Co. gibt es auch dort. Das ging uns neben allen Vorteilen des Stadtlebens schon etwas auf den Keks. Und dann kündigte sich Kind Numero Drei an. Und mit ihm kam der Gedanke: Wo wollen wir als Familie unseren Lebensmittelpunkt finden? In welchem Umfeld möchten wir unsere Kinder aufwachsen sehen? Und wo können wir unser Familienleben wie am besten finanzieren? Wir haben die Vor- und Nachteile sehr intensiv geprüft. Mit einer tollen Nachricht von Freunden aus dem Siegerland fiel unsere endgültige Entscheidung: Wir ziehen aufs Land. 

Was war das denn für eine tolle Nachricht? 
Eine sehr familienfreundliche Nachricht: Im Kreis Siegen-Wittgenstein muss man für das dritte Kind keinerlei Betreuungskosten leisten, abgesehen vom Essensgeld natürlich. Auch sind die regulären Kindergartenbeiträge günstiger als beispielsweise in Essen. Dann bekommt jeder Schüler ein kostenloses Schülerticket, das gab es in der Stadt auch nicht. Generell merke ich, dass die Lebenshaltungskosten hier niedriger sind. Ob Miete, die Anschaffung eines Eigenheims oder der Ausflug in den Kletterwald.

In welchen Momenten im Alltag merken Sie, dass es die richtige Entscheidung war?
Die Kinder sind für mich ein ganz wichtiges Indiz: Wenn ich die im Garten herumtollen sehe, sie mit dem Fahrrad herum düsen, wir den Drachen steigen lassen oder im Winter hinterm Haus Schlitten fahren … ja, das hat ganz viel mit Bullerbü und unsere kleine Farm zu tun, aber genau diese Gefühle sind es ja: eine Landromantik, die man tatsächlich leben kann. Stockbrot am Lagerfeuer und dabei in die Sterne gucken … mittlerweile freue ich mich, dass meine Kinder solche Momente im Alltag erleben können. Ohne weite Strecken fahren zu müssen, im Stau zu stehen oder Geld ausgeben zu müssen. Und wenn unsere Freunde uns dann über ein ganzes Wochenende besuchen kommen, dann können wir es zusammen erleben. Das finde ich toll.

Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Momente nach dem Rückzug?
Ja, sehr gut sogar. Ich hatte einen totalen Grün-Flash. Das war wie eine Kur für die Seele: diese unglaublich tolle Landschaft. Und da hat es Boom gemacht!

Wie erklären Sie sich persönlich den Trend zur Landlust, der an vielen Stellen in Deutschland aufflammt?
Ich kann mir vorstellen, dass vieles, was uns berührt, auch andere Familien berührt. Finanzielle Dinge, aber vielleicht auch die Sehnsucht in den Menschen. In einer Welt, die immer hektischer und lauter wird. Persönlich genieße ich, dass wir nicht mehr an jeder Ecke zum Konsum verführt werden. Die eigene Kreativität steigt dadurch – und auch die gelegentliche Reduktion auf das Wesentliche. Das tut gut.

Wir danken Frau Wunderlich herzlich für das Interview.

Quelle: Südwestfalen Agentur, Stand: 25.10.17