Interview mit Dr. Lars Kaminski

 

Nach mehreren Jahren in Süddeutschland, ist Dr. Lars Kaminski mit seiner Familie zurück nach Nordrhein-Westfalen gezogen. Sein neuer Wohnort ist die Gemeinde Wenden hier in Südwestfalen. In Olpe leitet Dr. Kamininski die Volkshochschule und hat ein neues Zuhause gefunden. Im Interview erzählt er seine Geschichte als Neubürger in Südwestfalen.  

Warum haben Sie sich für Südwestfalen entschieden? 

Dr. Lars Kaminski: Vielleicht stimmt es, dass jede Landschaft ihre besondere Seele hat, wie Christian Morgenstern schreibt. Jedenfalls hat sie ihr eigenes Gesicht, eine eigentümliche Stimmung. Ich bin Nordrheinwestfale – am Niederrhein aufgewachsen, in Münster studiert. Dann bin ich dem Land allerdings etwas abhandengekommen: Viele Jahre habe ich in Süddeutschland gelebt und gearbeitet. Meine Tochter wurde in Bayern geboren, ich habe in Bayern geheiratet. Eine gute Zeit! Als ich dann aber ins Sauerland kam, war da doch eine Vertrautheit, die sich nicht allein mit der landschaftlichen Schönheit und Erinnerungen an das Alpenvorland erklären lässt. Ich wusste: NRW hat mich wieder. Ein Glück, dass es meiner Familie hier ebenso gut gefällt wie mir. 

Was war Ihr erster Eindruck der Region?

Dr. Lars Kaminski: Sanfte Hügel, Talsperren, ein weiter Horizont, langsam kreisende Greifvögel und freundliche Menschen, die liebenswürdiger und offener sind, als sie gerne zugeben. Hier ist vieles in Ordnung. Im ersten Winter hat Südwestfalen auch alle Erwartungen erfüllt. Als ich Kind war, haben wir an den Weihnachtsfeiertagen immer die Verwandtschaft im Sauerland angerufen. Die Geschichten von meterhohem Schnee, der wohl auch noch bis März liegen bleibt, haben mich tief beeindruckt. Sowas gab es bei uns nicht. Im Rheinland ist ja jede Flocke ein Ereignis. Als wir im Dezember nach Hünsborn umzogen, war von Winter auch keine Spur. Dennoch haben wir hoffnungsfroh einen Schlitten für unsere Tochter gekauft. Der Schnee wird schon kommen! Wir wurden nicht enttäuscht. An Silvester war es soweit und der Winter wurde so schön, wie man ihn sich nur wünschen kann – Sauerland eben. 

Warum haben Sie sich für die Volkshochschule als Arbeitgeber entschieden? 

Dr. Lars Kaminski: Bildung braucht Bücher. Aber eben nicht nur. Ein Ort, an dem man über den Tellerrand schaut, auf Ideen kommt, Neues begreift und sich üben kann, ist von unschätzbarem Wert. Die Volkshochschule des Kreises Olpe ist so ein Ort - eine große Freude, hier arbeiten und gestalten zu dürfen. Darüber hinaus ist es gut und für unsere Arbeit sehr hilfreich, dass der Kreis Olpe und die Städte in der Region um die Wichtigkeit der Erwachsenenbildung wissen. Die Volkshochschule ist hier in der Bildungslandschaft fest etabliert und erfährt bei vielen Projekten Unterstützung. Das ist ein Plus nicht nur für das Team der VHS oder unsere Dozentinnen und Dozenten, sondern für alle Menschen im Kreis, die im besten Sinne neugierig sind und Lust haben, sich zu bilden. 

Jetzt, wo Sie sich schon etwas eingelebt haben… Was gefällt Ihnen besonders gut an der Region und oder gibt es etwas, mit dem Sie nicht gerechnet hätten? 

Dr. Lars Kaminski: Nun, wenn man lange Zeit in Süddeutschland wohnt,  gewöhnt man sich an dies und das. Nicht das Schlechteste ist dabei das gute Essen, das man in Baden-Württemberg und Bayern – gefühlt – an jeder Straßenecke bekommt. In kleinen Bäckereien findet man nicht die Massenware der großen Ketten, sondern von Hand gemachtes Brot und knusprige  „Semmeln“, auf dem Markt Obst und Gemüse vom Bodensee, Käse aus Frankreich oder aus der örtlichen Käserei – Lebensmittel also, die den Namen wirklich verdienen. Aber was sollen wir bloß in dem kühlen Sauerland essen? Eine schöne Überraschung war, dass es hier gar nicht so anders aussieht. Die Metzger- und Bäckereien sind hervorragend. Wir holen Milch und Eier bei einem Bauernhof  in der Nähe und unsere Tochter darf dort die Kühe füttern. Gab es bei uns vor dem Umzug auch einige Fragezeichen, so genießen wir diese „südwestfälische Lebensart“ jetzt doch sehr. - Die bayerischen „Brezen“ vermissen wir dennoch. 

Wie war für Ihre Familie der Start in Südwestfalen? 

Dr. Lars Kaminski: Es war auch für meine Frau und meine Tochter ein guter Start in den neuen Lebensabschnitt. Die Menschen hier haben es trotz der Pandemie leicht gemacht, anzukommen. Dennoch ist es unter diesen besonderen Bedingungen nicht ganz so einfach, Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen. Kinderturnen, Babyschwimmen oder andere Kurse, die für Austausch und Abwechslung sorgen, waren lange Zeit undenkbar. Unsere Tochter ist ja noch sehr klein und wir werden vieles nachholen. Alles in allem waren wir drei sehr froh, die Zeit der Pandemie in einem kleinen Häuschen im grünen Südwestfalen verbringen zu können und nicht in einer beengten Stadtwohnung. Wie sagt Katherine Mansfield so schon: „Nichts kommt dem Landleben gleich.“ 

Was kann die Region besser machen? 

Dr. Lars Kaminski: Ich wohne noch nicht lange genug im Sauerland, um die Frage mit der nötigen Tiefe beantworten zu können. Allerdings denke ich, dass bezahlbarer Wohnraum, die Digitalisierung und klimafreundlicher Personennahverkehr Themen sind, die für die Region entscheidend sein werden. 

 

Vielen Dank für das Interview! 

 

Übrigens: Die Volkshochschule im Kreis Olpe ist eine von insgesamt 14 Volkshochschulen in Südwestfalen.
Mehr zu den Volkshochschulen in der Region finden Sie hier.

 

Quelle: Text und Foto: Dr. Lars Kaminski