Drolshagen und Lennestadt als Vorbildkommunen für Verkehrswende in Deutschland

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) untersucht anhand von drei unterschiedlich großen Kommunen, wie die Verkehrswende in Deutschland gelingen kann. Zu diesen drei Modellkommunen zählen als Gespann auch die Städte Drolshagen und Lennestadt. Denn hier ist mit SAM (Südwestfalen Autonom & Mobil) erstmals in NRW ein selbstfahrender Elektrobus im regulären Straßenverkehr unterwegs. Das Vorhaben der Berliner Forscher wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 120.000 Euro gefördert.

Die Sozialforscher wollen den ausgewählten Kommunen dabei helfen, einerseits den Autoverkehr zu reduzieren und gleichzeitig neuen Antrieben, Bussen, Bahnen, Radfahrern und Fußgängern mehr Platz einzuräumen.

"Wir freuen uns, dass die Bemühungen in unseren Städten bundesweit als wertvoll angesehen und unterstützt werden", erklärten die Bürgermeister aus Drolshagen und Lennestadt, Ulrich Berghof und Stefan Hundt. "Der ÖPNV in ländlichen Regionen kann oft nicht wirtschaftlich betrieben werden. Wir brauchen also neue Angebote, die es den Menschen ermöglichen auch ohne Auto von A nach B zu kommen. Und wir sehen einen Baustein in Angeboten wie SAM."

So geht es auch Projektleiter Prof. Dr. Andreas Knie. Der Experte für Verkehr, Mobilität, Wissenschafts- und Innovationsforschung beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung begleitet den Einsatz von SAM (Südwestfalen Autonom & Mobil) im regulären Linienverkehr in Südwestfalen von Beginn an. Nach einem Mobilitäts-Workshop der Südwestfalen Agentur knüpften Professor Knie und Drolshagens Bürgermeister Ulrich Berghof Kontakt und arbeiten seither zusammen.

SAM ist der erste Kleinbus seiner Art im normalen Linienverkehr in Nordrhein-Westfalen. Das weitestgehend automatisierte Elektrofahrzeug ist für den Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd für jeweils vier Monate in Drolshagen und Lennestadt auf ausgewählten Strecken unterwegs. Aufgrund der Corona-Pandemie pausiert der Bus allerdings derzeit. Dennoch ist Prof. Dr. Knie überzeugt: "Maschinen werden uns sicher und effizient transportieren und das mit einer ganz neuen Bedienqualität. Südwestfalen wird die Region sein, in der diese Zukunft startet."

Um Kommunen wie Drolshagen und Lennestadt konkret zu unterstützen, richten die Sozialforscher ein Verkehrswendebüro ein. Dieses will Bauämter, Investoren und Mobilitätsanbieter bei Fragen zur Verkehrswende einbinden und kommunale Akteure schulen. Dafür werden je nach Bedarf vor Ort verschiedene Maßnahmen entwickelt. Diese sollen Kommunal- und Regionalpolitik helfen, die Verkehrswende vor Ort voranzutreiben.

"Die Verkehrswende ist für viele Kommunen gerade im ländlichen Raum eine komplexe Angelegenheit und eine große Herausforderung", erklärt Dr. Stephanie Arens, Leiterin der REGIONALE 2025 in Südwestfalen. "Umso wichtiger ist es,  Neues zu wagen und auszuprobieren, wie man starre Strukturen damit verbessern kann. Deshalb freue ich mich über die breite Unterstützung für SAM auch außerhalb der Region, damit wir gewinnbringend an Mobilitätskonzepten für den ländlichen Raum arbeiten können."

Quelle: Südwestfalen Agentur GmbH, 15. April 2020