Junge Menschen aus Südwestfalen beschäftigen sich mit gendergerechter Sprache

Im Rahmen der UTOPiA Südwestfalen haben sich junge Menschen mit der Wirkung von Sprache beschäftigt und an einem Tischkalender zu gendergerechter Sprache gearbeitet. Der Tischkalender soll Interessierte über das Thema niedrigschwellig informieren und sie bei der Anwendung von diskriminierungsfreier Sprache unterstützen. Er soll bis Mitte Mai fertig sein und kostenlos ausgegeben werden. Das Thema zu behandeln, war Wunsch der jungen Menschen selbst. 

Mit UTOPiA werden junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren schon früh in Themen der regionalen Entwicklung und der Gestaltung der Region eingebunden. Die mehrmals jährlich stattfindenden UTOPiA-Days sind ein Teil dieses Vorhabens. Bei der jüngsten digitalen Veranstaltung ging es um geschlechtergerechte Sprache als Instrument in der Regionalentwicklung. Denn, so lernten die Teilnehmenden, Sprache hat Einfluss auf unser tägliches Leben und somit indirekt auf die Gestaltung der Region.

Die Erfahrungen waren denkbar unterschiedlich: Beim digitalen UTOPiA Day nahmen sowohl junge Menschen teil, die sich schon intensiv mit gendersensibler Sprache auseinandergesetzt hatten, als auch jene, für die dies eine komplett neue Erfahrung darstellte. In Gruppenarbeiten diskutierten und erarbeiteten sie, welchen Einfluss Sprache beispielsweise für den Job und am Arbeitsplatz hat, aber auch wie verschiedene Geschlechterperspektiven eine Rolle in der Regionalentwicklung und Stadtplanung einnehmen können. „Wird ein Projektleiter gesucht, ein Arzt oder ein Metzger, bewerben sich häufiger männliche Personen auf den Posten“, nennt Alica Mielke ein Beispiel aus den Diskussionen. Sie hat Gender Studies und Sozialwissenschaften studiert und kümmert sich bei der Südwestfalen Agentur um UTOPiA.

„Häufig wird argumentiert, dass beim generischen Maskulinum Frauen mitgemeint seien. Das trifft stellenweise auch zu, in vielen Fällen auch nicht. Begriffe wie Anwalt oder Bauer beziehen sich gesellschaftlich bedingt im Ursprung auf Männer. Lange Zeit gab es auch keine Wählerinnen oder keine Kanzlerin. Dabei ist die Realität aber viel bunter und Sprache schafft Realität. Seit eines Beschlusses des Bundesverfassungsgerichts 2017 haben wir zudem ganz offiziell mehr als nur das männliche und weibliche Geschlecht. Wir wollten daher für unseren Kalender Tipps zusammenstellen für eine Sprache, mit der sich Menschen gleichberechtigt angesprochen und einbezogen fühlen.“

Keine Vorschriften, aber für das Thema sensibilisieren

Die Idee des Tischkalenders und gendergerechter Sprache sei es nicht, Dritten Vorschriften zu machen, sondern für das Thema zu sensibilisieren. Im ersten Teil des digitalen UTOPiA Days stellte Alica Mielke Beispiele gendergerechter Stadtplanung vor und die freie Journalistin Katja Vossenberg erklärte den Teilnehmenden, was geschlechtergerechte Sprache bewirken kann, welche Formen aktuell diskutiert werden und wie sich Sprache über die Jahre auch verändert hat. Sowohl Studien als auch andere Ratgeber fanden dabei Berücksichtigung. „Oftmals lassen sich schon über kleine Änderungen in Formulierungen verschiedene Geschlechter ansprechen, merkte Alica Mielke an.

Kostenloser Kalender ist fertig im Mai 

Einige Tipps für eine geschlechtersensible Sprache finden nun ihren Weg in den Tischkalender. Schon Mitte Mai soll der Kalender fertig sein und kostenlos ausgegeben werden können an interessierte Unternehmen, Institutionen, Vereine oder auch Privatpersonen. Eine Online-Variante wird ebenfalls erstellt.

Indes laufen die Vorbereitungen für die große und ebenfalls digitale UTOPiA-Bundeskonferenz in Südwestfalen. Vom 18. bis 20. Juni 2021 sind junge Menschen aus ganz Deutschland eingeladen, sich über Herausforderungen im ländlichen Raum auszutauschen und in kreativen Formaten an Lösungen zu arbeiten. Patin der UTOPiA Bundeskonferenz ist Deutschlands „First Lady“ Elke Büdenbender. Für die Veranstaltung kann man sich bereits anmelden unter www.utopia-suedwestfalen.com.

Quelle: Bild: Südwestfalen Agentur GmbH